KSU-Herbstkonferenz: Klimaschutz als Chance begreifen

Bericht zur zweitägigen Konferenz

„Wir haben in diesem Jahr unsere Verbandsaktivitäten auf ein neues Level gehoben und uns als Vorreiter-Initiative an vielen Stellen politisch für mehr unternehmerischen Klimaschutz positioniert“, sagte Jörg Schmidt, Vorsitzender der Klimaschutz-Unternehmen (KSU), in seiner Begrüßungsrede der diesjährigen Herbstkonferenz. Bei der Veranstaltung, die am 8. und 9. Dezember pandemiebedingt virtuell stattfand, hieß Schmidt vier neue Klimaschutz-Unternehmen als neue Mitglieder herzlich willkommen. Neu dabei sind:  

 

-        Buhck Umweltservices GmbH & Co. KG

-        Contargo GmbH & Co. KG

-        Zedler – Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH

-        Möbelwerke A. Decker GmbH

Die vier neuen Mitglieder stellten bei der Konferenz ihr Engagement im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Präsentationen vor und diskutierten mit den Teilnehmer:innen rege über ihre Erfahrungen in diesen Bereichen.

Schmidt zeigte sich neben dem Zuwachs auf insgesamt 50 Mitglieder erfreut, über das „sehr erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt ‚Wege zum klimaneutralen Unternehmen‘“, welches die Universität Kassel durch Herrn Prof. Dr.-Ing. Jens Hesselbach und Team mitbetreut. Das Projekt geht im kommenden Jahr in die zweite Runde und kommt „komplett ohne öffentliche Zuwendungen aus und wird zu 100 Prozent durch die teilnehmenden Klimaschutz-Unternehmen finanziert“, so Schmidt.

Die Herbstkonferenz fand an den Tagen des Regierungswechsels in Berlin statt. Dietmar Horn, Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium (BMU), sprach auf der Konferenz in einem Grußwort über die Umstrukturierung seines Ministeriums und erklärte: „Auch wenn der Klimaschutz in den Bereich des Bundeswirtschaftsministeriums wechselt, das BMU wird nach Kräften dazu beitragen, dass Klimaschutz zum Mainstream unternehmerischen Handelns wird.“ Horn sprach auch seinen Dank für das Engagement der Klimaschutz-Unternehmen und seiner Mitglieder aus und sagte, „sie sind es, die eindrucksvoll beweisen, wie gut erfolgreiches, unternehmerisches Handeln und ambitionierter Klimaschutz zusammenpassen“.

Dr. Hartmut Versen, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), bezeichnete die Klimaschutz-Unternehmen in seinem Vortrag „als hervorragendes Beispiel für in der Praxis gelebten Klimaschutz“ und ergänzte in Hinblick auf den Regierungswechsel: „Das freiwillige Engagement der Klimaschutz-Unternehmen ist das, was jetzt gewollt ist.“ Bezüglich der Neuaufstellung im BMWi erklärte Versen, „wir werden jetzt ein Transformationsministerium in einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft“. Wichtig sei, dass zukünftig der grün erzeugte Strom tatsächlich als grüner Strom nutzbar gemacht wird, dies „ist für den Dekarbonisierungsprozess der Unternehmen von großer Bedeutung“. 

Die 2020er Jahre die „Weichensteller Dekade“ 

Der Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie beim DIHK, Dr. Hermann Hüwels, appellierte an die Politik, die Genehmigungsverfahren etwa bei der Errichtung von neuen Windkraftanlagen zu beschleunigen, wolle man die Klimaschutzziele im Jahr 2030 wirklich erreichen. An die Klimaschutz-Unternehmen gerichtet versprach Hüwels, „wir bemühen uns auch für die Zukunft, dass sie weiterwachsen, unsere IHKs verfolgen dies mit Interesse und werden die Klimaschutz-Unternehmen weiterhin tatkräftig dabei unterstützen.“

Große Wertschätzung gegenüber den Klimaschutz-Unternehmen brachte auch Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident Umweltbundesamt, durch seine Teilnahme an der Herbstkonferenz entgegen. In einer Keynote sprach er über die Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität. Messner stellte klar: „Wir sind dabei, wie wir bisher unsere Wirtschaft organisierten, einen Erdsystemwandel herbeizuführen. Wir müssen diesen Erdsystemwandel einhegen, um gefährliche Implikationen für die Menschheit in den Griff zu bekommen.“ Er betonte, dass die 2020er Jahre die „Weichensteller Dekade“ sei, um Klimaneutralität 2045 zu erreichen. Messner verwies darauf, Klimaschutz, Zirkularität und Biodiversität zusammenzudenken – so auch Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zum Problem des Fachkräftemangels sagte er: „Wir haben in vielen Bereichen und vielen Sektoren, wo Klimainvestitionen stattfinden müssen, massiven Fachkräftebedarf. Die Klimaschutzperspektive bzw. Klimaschutzoption muss verbunden werden mit entsprechenden Beschäftigungs- und Qualifizierungsinitivativen – getragen von Unternehmen und unterstützt von öffentlichen Institutionen, damit wir vorankommen.“

„Wir haben gerade ein gutes Zeitfenster, was zu verändern“

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen und Sprecherin für Klimaschutz und Energie, Wibke Brems, griff das Problem des Fachkräftemangels in ihrem Impulsvortrag auf. „Wir brauchen für den Bereich der erneuerbaren Energien, aber auch für den Bereich der Wärmewende, Know-how von Mittelstand, Handwerk und freien Berufen. Wir wissen, dass da noch einiges zu tun ist, unter anderem wegen des Fachkräftemangels, der uns Schwierigkeiten bereiten wird.“ Wichtig sei laut Brems, dass im Allgemeinen Klimaschutz, Umweltschutz und Wirtschaft zentral zusammengehören und es gut sei, dass es nun ein Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gebe.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal versprach, „die Ampelkoalition wird dafür sorgen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller vorangeht“. Zugleich verwies er darauf, dass Energiepolitik im Zieldreieck „sicher, sauber, bezahlbar“ gedacht werden müsse, hinzu käme noch die Akzeptanz aller. Er begrüßte, dass derzeit die Skepsis in der Bevölkerung und Unternehmen allgemein gegenüber Veränderungen abnehme und „wir gerade ein gutes Zeitfenster haben, was zu verändern“. Den Kohleausstieg zum Jahr 2030 begrüßt Westphal, verwies jedoch auf Expert:innen und deren Wissen einzubeziehen. „Wir können natürlich Kohlekraftwerke abstellen, von mir aus können wir das morgen machen, aber es wird nicht dazu beitragen, unsere Energieversorgung zu gewährleisten.“

Zum Abschluss der zweitägigen Herbstkonferenz lobte KSU-Vorsitzender Schmidt, die spannenden Vorträge und konstruktiven Diskussionen.

Weitere Vortragsredner der zweitägigen Herbstkonferenz waren – bei denen sich Schmidt ebenfalls für deren Vorträge in seinem Schlusswort bedankte: Annette Schmidt-Räntsch, BMU, Prof. Dr.-Ing. Jens Hesselbach & Dr.-Ing. Ron Hechelmann, Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (upp), Universität Kassel, Christoph Spenger, Sustainability Management bei Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG, Martin Weiß, Senior Advisor bei Stiftung Klimaneutralität, Dr. Birgitt Bendiek, Geschäftsführerin ZINQ GmbH, Ludwig Kohnen, Geschäftsführer EWE Vertrieb GmbH, Sofie Geisel, Geschäftsführerin DIHK Service GmbH, Jakob Flechtner, Projektleiter DIHK Service GmbH, Dr. Sebastian Bolay, DIHK, Dr. Jan Steinbach, Geschäftsführer Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien (IREES GmbH), Martin Wilke, Buhck Umweltservices GmbH & Co.KG, Dipl.-Ing. Dirk Zedler, Zedler-Institut für Fahrradtechnik- und Sicherheit GmbH, Jürgen Albersmann, Geschäftsführer Contargo GmbH & Co. KG, Kristiane Schmidt, Sustainable Solutions Economy & Ecology bei Contargo GmbH & Co. KG., Andreas Decker, Möbelwerke A. Decker GmbH.     

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