Johannes Hauck und Kristiane Schmidt stellen sich vor
Wer sind Johannes Hauck und Kristiane Schmidt, was treibt sie an und welche Themen liegen ihnen besonders am Herzen? Wir haben unserem neuen Vorstandsvorsitzenden und unserem neuen Vorstandsmitglied fünf Fragen gestellt und geben Einblicke in ihre Perspektiven und Ziele.
1. Die Klimaschutz-Unternehmen zeigen an vielen konkreten Beispielen, dass Transformation in der Praxis funktioniert. Welche Geschichten sollten wir noch offensiver erzählen – und wen müssen wir damit erreichen?
Wir sollten viel stärker die Geschichten erzählen, die Mut machen. Geschichten von Unternehmen, die gezeigt haben, dass Klimaschutz kein Kostenfaktor, sondern ein Innovationstreiber sein kann. Geschichten von Betrieben, die ihre Emissionen reduziert, neue Geschäftsmodelle entwickelt und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit gestärkt haben.
Besonders wichtig ist mir dabei, nicht nur die Erfolge, sondern auch die Lernwege sichtbar zu machen. Transformation ist selten geradlinig. Gerade diese Ehrlichkeit macht unsere Erfahrungen glaubwürdig.
Erreichen müssen wir vor allem die Unternehmen, die sich auf den Weg machen wollen, politische Entscheider, die die richtigen Rahmenbedingungen setzen, und die breite Öffentlichkeit. Wir müssen zeigen, dass Klimaschutz in der Wirtschaft nicht Theorie ist, sondern täglich gelebte Praxis.
2. Als neuer Vorstandsvorsitzender gibst du den Klimaschutz-Unternehmen künftig auch nach außen eine Stimme. Wo möchtest du, dass wir uns künftig stärker einmischen und Gehör verschaffen?
Ich wünsche mir, dass wir noch stärker als konstruktiver Impulsgeber wahrgenommen werden.
Wir erleben derzeit häufig eine Debatte, die Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gegeneinanderstellt. Unsere Mitgliedsunternehmen beweisen jeden Tag, dass beides zusammengehört. Diese Erfahrung sollten wir selbstbewusst in politische und gesellschaftliche Diskussionen einbringen.
Dabei geht es mir nicht um Lautstärke, sondern um Glaubwürdigkeit. Die Klimaschutz-Unternehmen haben eine besondere Stärke: Wir sprechen aus der Praxis. Genau diese Stimme sollten wir noch sichtbarer machen.
3. Du blickst aus der Erfahrung eines produzierenden Industriebetriebes und Familienunternehmens auf die Transformation. Was braucht es aus diesem Blickwinkel, damit unternehmerischer Klimaschutz die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärkt?
Familienunternehmen denken oft in Generationen statt in Quartalen. Genau dieses langfristige Denken brauchen wir für die Transformation.
Klimaschutzinvestitionen brauchen Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen. Unternehmen sind bereit zu investieren, wenn die Richtung klar ist.
Gleichzeitig müssen wir Innovationen fördern und Technologieoffenheit bewahren. Die besten Lösungen entstehen dort, wo Kreativität, Unternehmergeist und Verantwortung zusammenkommen. Dann wird Klimaschutz nicht zur Belastung, sondern zu einer echten Chance für den Standort Deutschland.
4. Du arbeitest seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik. Was müssen beide Seiten voneinander verstehen, damit klar wird, welche Schritte gemeinsam gegangen werden müssen?
Wirtschaft und Politik verfolgen letztlich dasselbe Ziel: eine erfolgreiche, nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung unseres Landes.
Aus meiner Erfahrung entstehen die besten Lösungen dort, wo beide Seiten einander zuhören und die Perspektive des Gegenübers ernst nehmen. Politik muss verstehen, unter welchen Bedingungen Unternehmen investieren und innovieren können. Unternehmen müssen verstehen, welche gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Zielsetzungen berücksichtigt werden müssen.
Dabei denke ich oft an einen Satz von Dr. Oswald Hager: „Wir können nur etwas bewegen, wenn wir etwas investieren.“ Er sprach dabei nicht nur von Technologien oder von Projekten, sondern vor allem über die Investition in den Dialog, in Vertrauen und in die gemeinsame Suche nach Lösungen. Genau darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der Klimaschutz-Unternehmen.
5. Wir springen ein Jahr in die Zukunft: Du blickst auf dein erstes Jahr als Vorstandsvorsitzender zurück. Was müsste passiert sein, damit du sagst: Das war ein richtig gutes Jahr für die Klimaschutz-Unternehmen?
Ein gutes Jahr wäre für mich, wenn unsere Mitglieder sagen: Der Austausch untereinander ist noch wertvoller geworden.
Wenn wir neue Unternehmen für unser Netzwerk begeistern konnten. Wenn wir mit unseren Praxisbeispielen Menschen überzeugt haben, dass ambitionierter Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen. Und wenn wir als Verein noch stärker als glaubwürdige Stimme einer innovativen und verantwortungsvollen Wirtschaft wahrgenommen werden.
Vor allem aber wäre es ein gutes Jahr, wenn wir den Geist bewahrt haben, der die Klimaschutz-Unternehmen seit vielen Jahren auszeichnet: Offenheit, gegenseitiges Lernen und die Überzeugung, dass wir gemeinsam mehr erreichen können als jeder für sich allein.
1. Kristiane, du bist neu im Vorstand der Klimaschutz-Unternehmen und bringst die Perspektiven Physikerin und Nachhaltigkeitsmanagerin beim Logistikunternehmen Contargo mit. Wie blickst Du auf Transformation – und was davon möchtest du in die Vorstandsarbeit einbringen?
Für mich beginnt Transformation mit Systemverständnis. Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft oder Klimaanpassung lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern sind Teil eines größeren Systems mit vielen Wechselwirkungen. Erst wenn ich diese Zusammenhänge verstehe, erkenne ich, an welchen Stellschrauben ich ansetzen muss und wo Zielkonflikte oder Synergien entstehen.
Diesen Blick auf Zusammenhänge möchte ich in die Vorstandsarbeit einbringen. Denn viele Herausforderungen lassen sich nicht innerhalb eines Unternehmens oder einer einzelnen Disziplin lösen. Genau darin sehe ich auch die besondere Stärke der Klimaschutz-Unternehmen.
2. Die Klimaschutz-Unternehmen bringen Vorreiter aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammen. Wo entsteht für dich der größte Mehrwert, wenn Unternehmen über Branchengrenzen hinweg voneinander lernen?
Oft lohnt sich der Blick in andere Branchen, weil dort Lösungen bereits existieren. Als wir bei Contargo unser Konzept für den Hochlauf von E-Lkw entwickelt haben, haben wir nicht nur auf die Logistik geschaut. Die Busbranche hatte viele Erfahrungen mit Elektromobilität bereits gesammelt, und aus der energieintensiven Industrie konnten wir lernen, wie große Energieströme gesteuert werden. Viele unserer heutigen Überlegungen wären ohne diese Perspektiven gar nicht entstanden.
Genau darin sehe ich den Wert der Klimaschutz-Unternehmen. Der Austausch bringt neue Blickwinkel und Erfahrungen zusammen, die man innerhalb der eigenen Branche oft nicht bekommt.
3. Klimaschutz ist längst nicht mehr das einzige Nachhaltigkeitsthema auf der Unternehmensagenda. Wo siehst du die Verbindungen zu Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung?
Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung werden oft als einzelne Themen diskutiert. In der Praxis greifen sie aber ineinander. Im Transportbereich könnten wir beispielsweise einfach möglichst viele E-Lkw beschaffen. Damit hätten wir einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Wenn Extremwetterereignisse jedoch Straßen oder Infrastruktur beeinträchtigen, ist unser Transportsystem deshalb noch lange nicht klimaresilient. Und die Frage, ob ein zusätzlicher Transport auf dem Wasserweg möglicherweise ressourceneffizienter ist als zweihundert zusätzliche Fahrzeuge auf der Straße oder wie sich die dafür eingesetzten Ressourcen im Kreislauf halten lassen, habe ich damit ebenfalls noch nicht beantwortet. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur ein Ziel zu optimieren, sondern die Auswirkungen einer Entscheidung insgesamt zu verstehen.
4. Die KSU leben davon, dass Unternehmen offen miteinander teilen, was funktioniert – und was nicht. Von welcher Erfahrung anderer Unternehmen würdest du selbst gerade gern mehr lernen?
Wir beschäftigen uns derzeit intensiv mit der Frage, wie wir unsere Subunternehmer auf dem Weg der Transformation mitnehmen. Die konkreten Herausforderungen rund um Elektromobilität oder Ladeinfrastruktur sind dabei teilweise branchenspezifisch. Die Frage, wie man Partner für Veränderungen gewinnt, Vertrauen aufbaut und einen echten Austausch ermöglicht, ist dagegen branchenübergreifend. Genau dazu würde ich gerne von anderen Unternehmen lernen. Was funktioniert in der Zusammenarbeit? Was eher nicht? Und wie gelingt es, dass aus einer gemeinsamen Herausforderung auch eine gemeinsame Bewegung wird?
5. Wir springen ein Jahr in die Zukunft: Du blickst auf dein erstes Jahr im KSU-Vorstand zurück. Was müsste passiert sein, damit du sagst: Das war ein richtig gutes Jahr für die Klimaschutz-Unternehmen?
Für mich wäre es ein erfolgreiches Jahr, wenn jedes Mitglied mindestens ein anderes Unternehmen gefunden hätte, von dem es etwas lernen konnte. Denn genau das macht die Klimaschutz-Unternehmen aus: Menschen zusammenzubringen, die ähnliche Herausforderungen haben, aber unterschiedliche Erfahrungen mitbringen. Wenn daraus neue Ideen, bessere Lösungen oder sogar gemeinsame Projekte entstehen, dann hat das Netzwerk seinen Zweck erfüllt.
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