Kreislaufwirtschaft: Chance oder Risiko für die Kunststoffindustrie?
KSU-Gastbeitrag für TecPart-Verbandsmagazin „Trends der Kunststoffverarbeitung“
Kreislaufwirtschaft steht für Innovation, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Für die Klimaschutz-Unternehmen ist es neben Klimaschutz und Klimaanpassung eines der drei K-Themen, die wir in unserer Vorreiter-lnitative behandeln. Viele unserer Mitglieder haben Zirkularität in ihren Transformationsstrategien verankert.
Aber noch ist Kreislaufwirtschaft nicht bei allen angekommen und kann wegen anstehender Recylingquoten auch zu Zielkonflikten mit Klimaschutz führen. In unserem Projekt „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell" haben wir das gemeinsam mit der Universität Kassel und 13 Unternehmen aus verschiedenen Branchen untersucht. Dabei wurde deutlich: die größte Herausforderung ist Sekundärmaterial: Bei einem knappen Viertel wegen zu hoher Kosten, bei über der Hälfte wegen mangelnder Verfügbarkeit und bei mehr als zwei Drittel aufgrund der Qualitätsanforderungen an Produkte.
Hierfür exemplarisch steht der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann, ein Klimaschutz-Unternehmen und TecPart-Mitglied. Seine Erfahrungen zeigen: Neuware kann nicht einfach durch Rezyklate ersetzt werden, entscheidend sind die Prozesse. Daher braucht es einen engen Austausch mit den Kunden zu Anforderungen und möglichen Veränderungen. So müssen Produkte aus Rezyklaten Kernfunktionen wie Haltbarkeit erfüllen. Farbe, Oberfläche, oder Konstruktion lassen sich oft anpassen. Pöppelmann berechnet aber auch die Vorteile von Rezyklaten, wie die Einsparungen von CO2-Emissionen.
Für den Hochlauf der Kreislaufwirtschaft braucht es aber mehr Rezyklate und genau das stellt die Branche vor Herausforderungen. Ab 2030 müssen PCR-Einsatzquoten erfüllt werden und damit wird die Nachfrage steigen. In der EU werden bis zu 3,5 Millionen Tonnen Rezyklate fehlen. Über die Folgen diskutierte Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch 2025 auf der K-Messe mit TecPart-Geschäftsführer Michael Weigelt und Angelika Smuda aus dem Umweltministerium.
Pläne und Wirklichkeit
Was ist seitdem passiert? Die gute Botschaft: Der Koalitionsvertrag nennt die Kreislaufwirtschaft zentral für die Ressourceneffizienz. Im Herbst stellte das Bundesumweltministerium den Entwurf für ein Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) vor, das bis Ende 2027 umgesetzt werden soll.
Danach sollen Betriebe sich bis 2030 eingesetzte Rezyklate auf Verpackungsquoten anrechnen lassen können. Dazu gehört eine Anpassung von §45 im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Damit müssten Sekundärrohstoffe bei der öffentlichen Vergabe bevorzugt werden und Dritte könnten entsprechende Rechtsansprüche geltend machen: Gut für den Hochlauf der Kreislaufwirtschaft. Noch im Dezember 2025 kündigte Umweltminister Carsten Schneider eine Kabinettsentscheidung über das Aktionsprogramm für Januar 2026 an. Stand heute sind Dissense zwischen den beteiligten Ministerien nicht ausgeräumt. Damit stagnieren für die Kunststoffbranche wichtige Entscheidungen zu Sekundärrohstoffen.
Es braucht jetzt Klarheit und Planungssicherheit, damit mehr Betriebe die Transformation zur Zirkularität angehen. Die Kreislaufwirtschaft darf auf der politischen Agenda nicht nach unten rutschen. Dafür haben zu viele Unternehmen die Transformation zur Kreislaufwirtschaft bereits begonnen. Für die zentrale Herausforderung, die Skalierung ihrer Produktion, brauchen sie jetzt klare Rahmenbedingungen und Unterstützung. Innovationen brauchen keine Verzögerungen, sondern strategische Weichenstellungen.
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Fotocredit / Fotomontage: TecPart-Magazin Cover © TecPart / KSU-Geschäftsführerin Julia Eckey © privat
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