Deutschland muss Potenziale der Kreislaufwirtschaft stärker nutzen

Gemeinsamer Kaminabend des Verbands Klimaschutz-Unternehmen und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Drei Tage nach der Weltklimakonferenz veranstalteten der Verband Klimaschutz-Unternehmen und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 24. November einen Kaminabend im Berliner Regierungsviertel. Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema „Kreislaufwirtschaft und Rohstoffsicherheit – Strategien für eine resiliente Industrie.“ Rund 40 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten hierzu zentrale Fragen.

In seiner Begrüßungsrede hob Alexander Bonde, DBU-Generalsekretär, vor den geladenen Gästen das große Potenzial der Circular Economy hervor: „Eine echte Kreislaufwirtschaft ist ein Schlüssel zur Sicherung der Rohstoffversorgung, zur Reduzierung der Abhängigkeit von Primärrohstoffen und zur Stärkung der industriellen Resilienz. Und nur mit einer starken Kreislaufwirtschaft wird Europa seine Klimaziele erreichen.“ Bonde sagte, dass es hierfür einen grundlegenden und entscheidenden Wandel benötige: weg von der linearen Wegwerfwirtschaft, hin zu einer echten Kreislaufgesellschaft mit Ressourcenschonung als Leitprinzip. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups können mit innovativen Lösungen, neuen Konzepten und Ideen dazu beitragen, Kreisläufe zu schließen“, so Bonde. Er freue sich deshalb besonders, dass am Kaminabend gleich zwei Träger des Deutschen Umweltpreises aus dem Verband Klimaschutz-Unternehmen (KSU) mit dabei seien und davon berichten, wie die Circular Economy im eigenen Betrieb erfolgreich umgesetzt wird.

Philipp Andree, KSU-Geschäftsführer, nahm die lobenden Worte von Bonde für die beiden Klimaschutz-Unternehmen, LIMBURGER – The Packaging Group (Deutscher Umweltpreis 2020) und ZINQ (Deutscher Umweltpreis 2025), gleich zu Beginn seiner Begrüßung auf und sagte: „Wir wollen als Klimaschutz-Unternehmen Lösungen identifizieren und mit Best Practices Wissenstransfers ermöglichen, die zeigen, wie Kreislaufwirtschaft und Rohstoffsicherheit zusammenpassen. Für eine resiliente Industrie und den Umweltschutz gleichermaßen.“ Die Klimaschutz-Unternehmen seien hier Branchen-Vorreiter und „treiben bereits seit mehr als 15 Jahren die Transformation zu einem klimaneutralen Deutschland voran“. Erfolgreicher Klimaschutz gehe nur gemeinsam, und so freue er sich besonders, dass so viele Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beim Kaminabend mit dabei seien.

Im Anschluss an die Begrüßung wies Dr. Susanne Kadner, Co-Founder, Circular Republic, und Director, UnternehmerTUM, in ihrem Impuls darauf hin, dass die Circular Economy die Wachstumschance unserer Zeit sei. Da sie Widerstandsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Rentabilität vereine. Mit Blick auf das Kreislaufwirtschaft-Engagement Deutschlands stellte sie fest und appellierte zugleich an die Politik: „Andere europäische Länder haben die Notwendigkeit einer Kreislaufwirtschaft zur Steigerung ihrer Resilienz in geopolitisch fordernden Zeiten bereits erkannt. Deutschland muss hier endlich nachziehen und den Aufbau zirkulärer Wertschöpfung und das Schließen von Stoffkreisläufen gezielt unterstützen.“

Dr. Kadner ging auch darauf ein, dass derzeit mehr als 2.500 Circular Economy Start-ups in Europa florieren. Und verwies hier insbesondere auf Skandinavien, das eine Vorreiterposition einnehme. Sie hob hervor, dass zirkuläre Ökosysteme entscheidend für die Realisierung zirkulärer Geschäftsmodelle seien. Und dass es bei diesem Ökosystem vor allem auf das Zusammenspiel der richtigen Akteure ankomme.

Kreislaufwirtschaft ist Rohstoffsicherung

Aus der unternehmerischen Praxis berichteten in ihren Impulsen zwei Klimaschutz-Unternehmen und zugleich Träger des Deutschen Umweltpreises: Lars Baumgürtel, CEO, ZINQ GmbH & Co. KG, und Hugo Trappmann, CEO, LIMBURGER – The Packaging Group. Die beiden Unternehmer haben in ihren Betrieben die Circular Economy bereits erfolgreich umgesetzt. So zeigt etwa das zirkuläre Geschäftsmodell „Planet ZINQ“ von Baumgürtels Firma, dass sich energie- und ressourcenintensive Unternehmen erfolgreich auf eine zirkuläre Wirtschaftsweise umstellen können.

Baumgürtel stellte zu Beginn gleich klar, dass Kreislaufwirtschaft für ihn Rohstoffsicherung sei. Und sagte: „Wir werden nur Fortschritte in Richtung Kreislaufwirtschaft machen, wenn wir Produkte am Design ändern und wenn wir verstanden haben, was zirkuläre Qualität bei Produkten ist.“  Für Baumgürtel ist von zentraler Bedeutung: „Wenn wir Rohstoffe schon in Produkte umsetzen, dann müssen wir diese Produkte möglichst lange im Zyklus halten.“ Weiter sagte er: „Aber das Entscheidende sind alle Maßnahmen, die dazu dienen, den Kreislauf zu entschleunigen, und dazu gehört ein Fokus auf die Lebensdauer.“ Das werde heute weder in der Regulatorik noch in der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie noch in anderen Rahmensetzungen und Diskussionen, die politisch geführt werden, wirklich mit der Bedeutung adressiert, die es habe. Baumgürtel verwies darauf, dass Produktpässe zirkuläre Qualität transparent machen. So entwickelt sein Unternehmen daher „Digitale Zirkuläre Produktpässe“ (DCPP), um Transparenz und validierte, vertrauenswürdige Daten als Grundlage für die Weiterentwicklung zirkulärer Innovationen in ZINQ-Beschichtungen und in den Produkten der Kunden zu schaffen.

Resilienz entlang der Kette denken

Hugo Trappmann stellte zu Beginn seines Impulses klar: „Ohne funktionierende Kreislaufwirtschaft keine verlässliche Rohstoffbasis für Europa. Das ist heute Common Sense, und politische Förderstrukturen sind geschaffen. Der nächste Schritt ist klar: Wirkung messen, Fehlentwicklungen benennen und den Mut haben, das System dort zu verändern, wo es seine Ziele verfehlt.“ Hierzu brachte Trappmann Praxisbeispiele aus seinem Unternehmen, der LIMBURGER – The Packaging Group, mit und erklärte, wo Systeme ihre Intention verfehlen.

Anschaulich erklärte er etwa anhand von drei vergleichbaren Verpackungsprodukten seines Unternehmens, dass die politische Intention momentan durch die Dualen Systeme nicht wirksam genug umgesetzt wird. Für recyclingfähige Dosen zahle man beispielweise die höchsten Beteiligungsentgelte. Trappmanns Meinung nach seien folgende Maßnahmen jetzt nötig: Die Recycling-Performance müsse finanziell belohnt werden. Wirkung müsse gemessen (reale Stoffströme und Systemkosten) sowie Anreizlogiken korrigiert werden. Des Weiteren sollte Resilienz entlang der Kette gedacht und die Rohstoff- und Kreislaufpolitik verzahnt werden. Ebenfalls müsse der Transformationsmotor gestärkt und mittelgroße Unternehmen gezielt befähigt werden.

Resümee des Kaminabends

Die Strategien und Maßnahmen zur Sicherung der Rohstoffversorgung und der Kreislaufwirtschaft – wie das Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft und der Rohstofffonds – müssen stärker zusammengeführt werden. Denn: Ein verstärkter Einsatz von Sekundärrohstoffen und von recycelten Wertstoffen mindert die Importabhängigkeit und kann einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer ressourceneffizienten Industrie leisten. Das Potenzial der Kreislaufwirtschaft muss voll ausgeschöpft werden. Denn Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, das auf das „Rohstofflager“ in den Produkten hierzulande angewiesen ist.

v.l.n.r.: Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Antje von Broock vom Bundesumweltministerium, Lars Baumgürtel, CEO, ZINQ GmbH & Co. KG, Dr. Susanne Kadner, Co-Founder, Circular Republic und Director, UnternehmerTUM, Philipp Andree, Geschäftsführer des Klimaschutz-Unternehmen e. V., Dr. Sandra Detzer, MdB, Ulf Jacob, Moderator des Kaminabends, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Hugo Trappmann, CEO, LIMBURGER – The Packaging Group.
(l.) Philipp Andree, Geschäftsführer des Klimaschutz-Unternehmen e. V. und Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Dr. Susanne Kadner, Co-Founder, Circular Republic und Director, UnternehmerTUM.
Lars Baumgürtel, CEO, ZINQ GmbH & Co. KG.
Hugo Trappmann, CEO, LIMBURGER – The Packaging Group. © Fotocredits: Jens Schicke
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