"Nachgefragt ..." bei Prof. Dr. Kagermann

Prof. Dr. Kagermann ist Vorsitzender der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität.

In unserer Rubrik „Nachgefragt“ befragen wir in loser Folge bekannte Experten und führende Köpfe zum Klimaschutz und damit verwandten Themen.

Wir können emissions- und unfallfrei unterwegs sein – und das bezahlbar.

Herr Professor Kagermann, die Zukunft der Mobilität ist in aller Munde. Welche Trends sehen Sie für die Mobilität in Deutschland im Jahr 2030?

Ich persönlich bin überzeugt, dass die sich unsere Mobilität verbessern wird und wir bezahlbar, emissions- und umfallfrei unterwegs sein können. Vernetzung und Automatisierung ermöglichen es, den Individualverkehr und den ÖPNV stärker miteinander zu verknüpfen. Ein individualisierter öffentlicher Verkehr mit ÖPNV-Shuttles kann unsere Mobilitätsbedürfnisse bequem und bedarfsgerecht erfüllen und auch als Zubringer zum nächsten Bahnhof genutzt werden. Fahrzeuge können besser ausgelastet werden und weniger geparkt herumstehen. Auch im Güterverkehr werden wir effizientere Transportmöglichkeiten nutzen, Warenlieferungen verschiedener Anbieter zum Beispiel gebündelt zustellen. Wenn man klimafreundlichere Antriebe und Kraftstoffe mit den Vorteilen von Automatisierung und Vernetzung zusammendenkt, können wir in Zukunft mit weniger Staus und Umweltbelastung ans Ziel kommen.

Die Elektromobilität hatte lange Zeit Probleme, Fahrt aufzunehmen. Gibt es Anlass zum Optimismus für den Markthochlauf und wenn ja, warum?

Den gibt es sicherlich. Die Dynamik in den Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen ist hoch, dazu haben auch die Fördermaßnahmen von Bundesregierung und Industrie, wie der Umweltbonus, steuerliche Vorteile und Ladeinfrastrukturprogramme, maßgeblich beigetragen. Die Ladeinfrastruktur wird auch in den kommenden Jahren weiterwachsen, ebenso wie das Angebot an attraktiven Fahrzeugen mit niedrigerem Preis oder höheren Reichweiten. Wenn wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen und etwa die Rahmenbedingungen für den Einbau privater Ladepunkte erleichtern, werden sich noch  mehr Menschen sich für die Elektromobilität entscheiden – etwa ein Viertel der Bevölkerung kann sich das aktuell bereits vorstellen.

Wenn wir den Verkehrssektor insgesamt betrachten: Was muss geschehen, um bis 2050 die Emissionen deutlich zu reduzieren?

Wenn wir die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutliche reduzieren wollen, müssen wir gleichzeitig Maßnahmen in allen zentralen Handlungsfeldern ergreifen – vom Antriebswechsel, über den Umstieg auf energieeffizientere Verkehrsträger im Personen- und Güterverkehr bis hin zur Digitalisierung im Verkehrssektor. Im Grundsatz sind die Klimaziele im Verkehrssektor erreichbar, das hat die Arbeitsgruppe „Klimaschutz im Verkehr“ der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität gezeigt. Entscheidend ist nun, die erforderlichen Maßnahmen auf einander abzustimmen und zügig umzusetzen.

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