"Nachgefragt ..." bei Prof. Dr. Mojib Latif

Prof. Dr. Mojib Latif ist Leiter der Forschungseinheit Maritime Meteorologie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

In unserer Rubrik „Nachgefragt“ befragen wir in loser Folge bekannte Experten und führende Köpfe zum Klimaschutz und damit verwandten Themen.

Die Erderwärmung sollte man auf deutlich unter zwei Grad begrenzen.

Herr Prof. Latif, wie steht es um unseren Planeten aus Sicht der Klimawissenschaft? Gibt es neue Erkenntnisse aus der Klimawissenschaft?

Was die grobe Entwicklung angeht im Prinzip nicht. Wir wissen schon seit über drei Jahrzehnten wohin die Reise geht. Die Computersimulationen von damals stimmen erstaunlich gut mit der tatsächlichen Temperaturentwicklung überein. Heute wissen wir aber, dass es bestimmte Kippelemente im System gibt. So könnte bei Überschreitung einer bestimmten Erderwärmung der Eispanzer Grönlands komplett abschmelzen mit einem Meeresspiegelanstieg von 7 Meter weltweit, selbst wenn wir danach keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Es sind diese unumkehrbaren Prozesse, die uns Sorgen machen, weil wir nicht genau wissen bei welcher Erderwärmung sie einsetzten. Deswegen sollte man die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart.

Was sind die wichtigsten Hebel, um den Klimawandel global aufzuhalten?

Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun. Alle Länder müssen gemeinsam handeln. Ein Land alleine kann das Problem nicht lösen. Länder wie Deutschland müssen vorangehen, weil sie das technologische Know-how und die finanziellen Möglichkeiten haben. Am wichtigsten wäre der Umbau der weltweiten Energiesysteme in Richtung der erneuerbaren Energie bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Welche Chancen sehen Sie in der internationalen Klimadiplomatie, wirksame Mechanismen gegen den Klimawandel zu implementieren?

Ich sehe hier noch gute Chancen. Es muss allerdings einen Dreiklang von Politik, Wirtschaft und Finanzindustrie geben. Nur so können wir den notwendigen den Umbau der Energiesysteme zügig bewerkstelligen.

Auf welche Lebensbedingungen müssen wir uns in Mitteleuropa im Jahr 2050 einstellen?

Wir können im Wesentlichen die Trends der letzten Jahrzehnte für die kommenden Jahrzehnte fortschreiben. D.h. dass die Temperaturen werden noch weiter ansteigen und die Starkniederschläge zunehmen. In bestimmten Regionen wie zum Beispiel dem Mittelmeerraum wird die Trockenheit zu einem großen Problem werden. Außerdem werden die Meeresspiegel weiter steigen, was es heute schon erforderlich macht, die Deiche zu erhöhen.

Mojib Latif (Copyrigh: JSteffen-GEOMAR)
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